Report / Externe Studie
Mehr als nur Überleben: Psychische Gesundheit und Zugehörigkeit Geflüchteter in Deutschland
Abstract
Trotz gestiegener Investitionen in Wohnraum und Sprachförderung bleibt die psychische Gesundheit in der deutschen Asyl- und Integrationspolitik strukturell vernachlässigt. Jüngste Änderungen – darunter die Verdopplung der Wartefrist bis zum vollständigen Krankenversicherungsschutz nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (2024) – haben den Zugang zur Gesundheitsversorgung weiter eingeschränkt (Biddle, 2024). Aktuelle Erkenntnisse belegen, dass die psychische Belastung unter Geflüchteten in Deutschland alarmierend hoch ist: Eine groß angelegte Querschnittsstudie unter Geflüchteten stellte bei 29,9 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen Anzeichen einer posttrau matischen Belastungsstörung (PTBS) und bei 39,8 Prozent depressive Symptome fest (Potter et al., 2024). Eine bundesweite Studie unter Asylsuchenden ergab, dass weniger als jede:r Siebte mit psychischen Problemen eine minimal angemessene Psychotherapie erhielt – ein gravierendes Versorgungsdefizit (Dumke et al., 2024) Bleiben diese Lücken unberücksichtigt, schaden sie den Betroffenen und verursachen langfristige Kosten für das deutsche Gesundheits-, Arbeits- und Sozialsystem. In der öffentlichen Debatte wurden Vorfälle thematisiert, bei denen Geflüchtete unter unbehan delten psychischen Belastungen litten. Auch wenn solche Fälle selten und komplex sind, veranschaulichen sie die systemischen Risiken, die entstehen, wenn frühzeitige, trauma sensible Unterstützung vernachlässigt wird.